Fermenterbiologie
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FERMENTERBIOLOGIE
Anaerobe Mikroorgasnismenpopulation. Dazzo, Frank; Yokoyama, Mel

Grundlagen der Fermenterbiologie

Die ↓ Entstehung von Biogas ist ein komplexer Fermentationsprozess verschiedener Mikroorganismen, der eine stabile Prozessumwelt erfordert.

In der Praxis können verschiedene Faktoren die ↓ Fermenterbiologie aus dem Gleichgewicht bringen und damit die Biogasproduktion hemmen.
 

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Entstehung von Biogas - ein komplexer Prozess

Biogas ist das Endprodukt in einem anaeroben Zersetzungsprozess. Dieser Prozess lässt sich grundsätzlich in vier Phasen einteilen. An jeder seiner Prozessstufen sind
unterschiedliche Mikroorganismen und unterschiedliche Enzyme beteiligt, die in enger räumlicher Nähe zusammenarbeiten und eine Art Symbiose bilden.

Biogas entsteht in vier Phasen

Im ersten Schritt, der Hydrolyse-Phase, werden Kohlenhydrate zu Einfachzuckern, Proteine zu Aminosäuren und Fette zu Fettsäuren abgebaut. Die Produkte der Hydrolyse werden in der sich anschließenden Säurebildungsphase (Acidogenese) vor allem zu organischen Säuren und niederen Alkoholen abgebaut. Die Phase der Essigsäurebildung (Acetogenese) stellt das Bindeglied zur Methanbildung dar. Hier werden die Produkte der Säurebildung in Essigsäure, Kohlendioxid und Wasserstoff umgewandelt, die letztendlich die Ausgangsprodukte für die Methanbildung (Methanogenese) sind. In einem gesunden Prozess laufen alle diese Schritte synchron ab.
Umwandlung von Gärsubstrat in Biogas

Umwandlung von Gärsubstrat in Biogas

Optimale Nährstoffversorgung ermöglicht den reibungslosen Prozess

Damit all diese Prozessschritte reibungslos ablaufen können, müssen stabile Prozessbedingungen hergestellt werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Versorgung der beteiligten Mikroorganismen mit Nährstoffen und essentiellen Spurenelementen.

Spurenelemente sind, neben ihrer Funktion im Aufbau von
Zellsubstanz, vor allem als Bausteine in Enzymen und Coenzymen notwendig, die wiederum in vielfältiger Weise für die Katalyse der einzelnen Reaktionsschritte des oben beschriebenen Prozesses verantwortlich sind. So sind allein in einem der Abbauwege der Methanbildung aus CO2 und H2, sieben Enzyme und drei Coenzyme beteiligt.

Nicht zu viel und nicht zu wenig – das Verhältnis der Nährstoffe ist entscheidend

Für den Fermentationsprozess gilt das „Gesetz vom Minimum“ nach Liebig. Es besagt, dass bei Mangel nur eines Nährstoffs keine vollen Erträge erreicht werden können. Allerdings kann eine Überversorgung an Mineralstoffen auch toxische Wirkung auf die Mikroorganismen haben.

Da die Grenzen zwischen optimaler Versorgung und toxischer Wirkung bei einigen Elementen sehr nahe beieinander liegen, sind eine exakte Analytik und eine präzise Dosierung der Spurenelemente von großer Bedeutung im Prozess der Methanbildung. Aus Sicht des Bodenschutzes ist zudem eine Überkonzentration von Mikro- oder Makronährstoffen grundsätzlich zu vermeiden, um unnötige Umweltbelastungen auszuschließen.

Entstehung von Biogas - ein komplexer Prozess
Liebig’sches Fass

Ein Organismus richtet sich in seiner Entwicklung nach der knappsten Ressource

Praxis: Wenn die Fermenterbiologie aus dem Gleichgewicht gerät

Typische Störungen der Fermenterbiologie

Der Mangel an essentiellen Nährstoffen ist nicht die einzige mögliche Ursache für Störungen im Fermentationsprozess. So können „typische“ Betriebsfehler wie z. B. abrupte Wechsel der Fermenter-Temperatur, klassische Überfütterung bei einem Substratwechsel oder der zu schnelle Einsatz von eiweiß- oder fettreichen Substraten zu erheblichen Fermenterproblemen führen.

Eine Übersicht von typischen Störungen, Ursachen und möglichen Maßnahmen
 

Die Anzeichen einer Störung frühzeitig erkennen

Nicht jede Prozessstörung lässt sich sofort erkennen. Oft bahnen sich Fermenterprobleme sehr langsam an. Zwischen der Ursache und oft gravierenden Folgen können mehrere Monate liegen. Beachten Sie deshalb schon kleine Veränderungen im Prozess und gehen Sie der Ursache frühzeitig nach.

Typische Vorzeichen von sich anbahnenden Störungen

Regelmäßige Analysen zur Früherkennung von Prozessstörungen

Um mögliche Prozessstörungen frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, wesentliche Fermenteranalysen regelmäßig durchzuführen. Das gilt vor allem bei Anlagen mit einer hohen Raumbelastung oder stark variierenden Substraten.

Einige Analysen lassen sich ohne größeren Aufwand selbst durchführen, andere müssen in ein Labor gegeben werden.

Eine Übersicht sinnvoller Analysen
 

Wenn doch etwas schief geht

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu Störungen im Fermentationsprozess kommen. Manchmal können mehrere Ursachen zusammenwirken und eine ernsthafte Prozessstörung herbeiführen.

Auf keinen Fall sollte dann auf eine Selbstheilung des Fermenters gewartet werden. Es muss umfassend nach der Ursache geforscht und ein Sanierungskonzept erarbeitet werden.

Die wichtigsten Schritte, wenn der "Notfall" eintritt